Verhaltenstipps


Wie jedes Land dieser Welt hat auch Vietnam kulturelle Eigenheiten und daraus resultierende Verhaltensregeln. Diese zu kennen und zu achten machen dem Reisenden, sowie den Einheimischen, das Leben um einiges leichter. Zwar werden einem Touristen sicherlich größere Grauzonen eingeräumt und nicht jeder Regelbruch wird als mutwillig angesehen, jedoch hat die Toleranz der Vietnamesen gewisse Grenzen – auch wenn diese meist hinter einem Lächeln verborgen bleiben. Um also unnötige Fettnäpfchen zu vermeiden, kann es nicht Schaden sich schon vor der Reise über die Verhaltensregeln in Vietnam zu informieren.

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Das Gesicht wahren

In Vietnam ist es besonders wichtig sein Gesicht zu wahren. Damit ist nicht etwa das tatsächliche Hüten von Augen, Nase und Mund gemeint, vielmehr geht es hierbei um die Würde der einzelnen
Person. Diese nicht zu achten, gilt in Vietnam als eine sehr schwere Beleidigung und wird keinem, auch nicht Touristen, verziehen. Der Verlust des Gesichtes kann viele Auslöser haben. Das laute Austragen von Diskussionen und das Tadeln von Personen in der Öffentlichkeit gilt beispielsweise als sehr unfein, und sollte daher stets unterlassen werden. Viel hilfreicher wäre es in solchen Situationen mit Ruhe, Höflichkeit und einem Lächeln die Wogen zu glätten. Doch neben solch eindeutigen Situationen, können auch kleinere Gesten zum Gesichtsverlust führen. Fragt man zum Beispiel einen Einheimischen nach dem Weg, wird dieser in den meisten Fällen eine Antwort parat haben – auch wenn er eigentlich keinen blassen Schimmer hat – denn das zur Schau stellen von Unwissenheit kann auch zum Gesichtsverlust führen.

Themenwahl beim Small-Talk

Gerade bei flüchtigen Bekanntschaften sollten keine Themen gewählt werden, die Konfrontationspotenzial bieten. Auch wenn die deutsche Mentalität oft sehr direkt ist, wird ein Einheimischer eher ungern über „knackige“ Themen reden. Besonders Politik sollte als Thema umgangen werden, da sich Einheimische nicht unbedingt sicher dabei fühlen über beispielsweise den Kommunismus öffentlich zu reden – dies ist aber auch kein Wunder, da es in Vietnam nicht ungewöhnlich ist, von Spionen in solche Gespräche verwickelt zu werden und auf kritische Stimmen Gefängnisstrafen stehen. Ähnlich verhalten hat man vielleicht auch schon während einem Kuba Urlaub dieses Thema aussen vor gelassen. Auch Religion ist nicht unbedingt das erste Thema, dass man beim Kennenlernen wählen sollte.

Einladungen in Vietnam

In Vietnam werden nach kurzen Small-Talks gerne Einladungen ausgesprochen. Diese sind aber eher als Sympathiebekundung und Höflichkeitsfloskel zu werten. Man sollte sie lieber ablehnen, um den Gegenüber in keine unangenehme Situationen zu bringen. Sollte der Gesprächspartner seine Einladung jedoch wiederholt aussprechen, dann kann diese natürlich auch angenommen werden.
Um nicht direkt in ein Fettnäpfchen zu treten, hier noch ein paar kleine Tipps:

  • Gastgeschenke sind gerne gesehen (zum Beispiel Gebäck, Früchte oder Blumen)
  • Schuhe werden immer vor der Tür ausgezogen
  • der älteste Bewohner des Hauses setzt sich in der Regel zuerst
  • es wird erst nach einer Aufforderung begonnen zu essen

 

Handeln und Bezahlen in Vietnam

In Vietnam ist der Preis fast immer verhandelbar. In der Regel ist der vorgeschlagene Preis zumindest zu halbieren, oft ist der Verkäufer sogar mit einem Drittel des Preises zufrieden. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, sein Verhandlungspreis etwas unter seinem anvisierten Zielpreis anzusetzen. So ist es einem möglich, dem Verkäufer während der Diskussionen nochmal ein Stück entgegen zukommen, was ihn in einem besseren Licht dastehen lässt – und er somit sein Gesicht wahren kann. Man sollte die Preise aber auch nicht künstlich drücken und alles versuchen unter Wert zu bekommen. Oft wird aus der Geldnot heraus trotzdem ein Handel daraus, jedoch ist die Arbeit des Verkäufers auch Wertzuschätzen. Bei Taxifahrern sollte man das Handeln eher unterlassen, sondern auf das Taximeter bestehen, da man damit meist billiger fährt. In Restaurants wird generell nicht gehandelt, aber im Gegenzug sind die Preise hier auch immer fair und für Touristen und Einheimische meist identisch.
Wenn der Kauf dann zustande gekommen ist, wird das Geld mit beiden Händen überreicht und sollte auch so angenommen werden. Trinkgeld wird meist nicht erwartet, jedoch hat es sich eingebürgert bei Taxifahrern etwas aufzurunden.


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Bedeutung von verschiedenen Körperteilen

Da die Füße in Vietnam als unrein gelten, ist es nicht gerne gesehen, wenn man mit dem Fuss auf andere Leute zeigt. Ähnlich verhält es sich mit der linken Hand, welche nicht zum Übereichen von Bargeld oder sonstigen Gegenständen genutzt werden sollte. Der Kopf hingegen, gilt als der Sitz von Geist und Seele und wird mit besonderer Ehrfurcht behandelt. So ist es in Vietnam sehr unhöflich den Kopf einer anderen Person zu berühren. Dieses gilt übrigens auch für das Tätscheln von Kinderköpfen.

Visitenkarten in Vietnam

In Vietnam haben Visitenkarten einen großen Stellenwert und werden sehr gerne verteilt. Schon ein kurzes zufälliges Gespräch auf der Straße kann Anlass genug sein, um Visitenkarten auszutauschen. Man sollte sich im jeden Fall erfreut zeigen und die Visitenkarte respektvoll behandeln. Dazu gehört das Entgegennehmen mit beiden Händen und das unmittelbare Lesen der gesamten Aufschrift. Wenn möglich sollte die Visitenkarte auch nicht einfach in die Hosentasche geschoben werden, sondern einen Platz im Portemonnaie oder einer Innentasche bekommen.

Kleidung in Vietnam

In Vietnam wird viel Wert auf „ordentliche“ Kleidung gelegt. Dazu gehören beispielsweise bedeckte Schultern oder lange Hosen. Zwar wird legere Kleidung mittlerweile akzeptiert, jedoch sollte man bei besonderen Anlässen doch etwas schicker erscheinen.
Auch wenn die Vietnamesen bezüglich der Kleidung im Alltag aufgeschlossener geworden sind, so sind die Regeln im Tempel um einiges strenger. Dort sollte man unbedingt lange Hosen tragen und die Schultern bedecken.

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Da sich die vietnamesische Kultur stark von der deutschen unterscheidet, gibt es natürlich viele Verhaltensregeln, die einem im Alltag erstmal eher ungewohnt vorkommen können. Wenn man sich jedoch an die hier genannten Regeln hält und sein Umfeld etwas beobachtet, wird man zumindest keinen sozialen Selbstmord begehen. Wie eingangs schon erwähnt, sind die Vietnamesen ein sehr wohlwollendes Volk und werden einem frisch angereisten Touristen auch nicht jeden Fehltritt verübeln. Im Zweifelsfall kann ein ernst gemeintes „Sorry“ gepaart mit einem Lächeln die Wogen wieder glätten. Im Übrigen freuen sich die Vietnamesen sehr darüber, wenn man ein paar Wörter vietnamesisch versteht und somit die Wertschätzung ihrer Kultur zum Ausdruck bringt. Wer ein Treffen also mit einem freundlichen „Xin chào“ beginnt, hat eigentlich nichts mehr zu befürchten und kann sich entspannt auf ein nettes Gespräch mit den Einheimischen freuen.


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